Aktuelles aus dem Fischbachtaler Rathaus

Naturerlebnis für kleine und große Leute beim GEO-Tag der Artenvielfalt in Fischbachtal

Kleine und große Forscher keschern im Fischbach

Seit 1999 lädt das Magazin GEO einmal im Jahr zur Expedition in die heimische Natur.
So sind am 12. Juni 2004 ganz viele – genau 218 – Veranstaltungen wie unsere überall in Deutschland und in Europa.
Unser GEO-Tag-Projekt ist das einzige im Landkreis Darmstadt-Dieburg. 20 Kinder mit ihren Eltern oder Großeltern und 11 Wissenschaftler haben zusammen das Herrenseegebiet erkundet und dabei 91 Pflanzen- und 146 Tierarten entdeckt.

Ziel des "GEO-Tags der Artenvielfalt" ist eine Bestandsaufnahme unserer unmittelbaren Umwelt: Was wächst und gedeiht eigentlich in hiesigen Breiten? Dabei zählt nicht der Rekord. Vielmehr geht es darum, Bewusstsein zu wecken für die Biodiversität vor unserer Haustür. Denn: Nur was wir kennen und verstehen, werden wir auch achten und schützen.

Unser GEO-Tag der Artenvielfalt untersucht das Herrenseegebiet zwischen Niedernhausen und Billings. Es heißt wohl so, weil hier früher Wasser angestaut war. Das hat aber keiner der hier Anwesenden gesehen – so lange ist das schon her! Jetzt ist hier ein sehr schöner und ökologisch wertvoller Bereich, der vom Fischbach und seinen gelegentlichen Hochwassern geprägt ist.

Ein Quiz für die Kinder fragte nach typischen Arten aus diesem Gebiet. Die Gewinner freuten sich über Bücher und Poster vom Magazin GEO. Jedes Kind konnte ein Heft über das Leben im Bach mit nach Hause nehmen. Und dazu jede Menge schöner Erinnerungen. Dass zwischendurch auch Regen fiel und das Zeltdach fast weggeflogen wäre, wird übermorgen schon vergessen sein. Was bleibt, ist ein bisschen mehr Kenntnis und Liebe unserer Heimat.

Der Fischbachtaler GEO-Tag ist ein Projekt des Umweltamtes der Gemeinde Fischbachtal in Kooperation mit dem Verein Naturpark Bergstraße-Odenwald e.V. und der Ortsgruppe Fischbachtal des Naturschutzbund Deutschland e.V.

Folgende Wissenschaftler, Artenkundler und Naturerlebnisspezialisten haben uns geholfen
(nach Nachnamen sortiert, mit Organisation)

  • Werner Bert, NABU Fischbachtal
  • Dirk und Susanne Diehl, Naturkinde-Institut Langstadt
  • Rainer Hennings, Büro für Fischerei- und Gewässerberatung Lorsch
  • Anke Heuer und Gerd Döring, Büro für Landschaftsökologie in Brensbach
  • Dr. Ulrike Kiehne, Naturpark Bergstraße-Odenwald
  • Jochen Kruip
  • Thomas Rehahn
  • Michaela Staffen-Hartnagel, Naturpark Bergstraße-Odenwald
  • Frau Treutsch, Naturpark Bergstraße-Odenwald

Allen Beteiligten an dieser Stelle nochmals ein ganz herzliches Dankeschön!!! 
Alle haben - teilweise mehrere Nachmittage - unentgeltlich für uns und unsere Gäste gearbeitet! Vielen Dank!

Links:

 

Noch ein paar Hintergrundinformationen zum Herrenseegebiet:
Ausgewählt haben wir das Herrenseegebiet für unseren GEO-Tag auch, weil zur Zeit in ganz Deutschland Flächen ausgewiesen werden, die zum Schutzgebietsnetz NATURA 2000 gehören werden. Diese Fläche ist eine davon.
Die Europäische Union fasste 1992 einen zukunftsweisenden Beschluss. Einstimmig – also auch mit der Stimme der Bundesrepublik Deutschland – entschied sie, ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten in den Mitgliedstaaten zu schaffen. Das Netz erhielt den Namen „NATURA 2000“ und sollte auf der Grundlage der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) und der EU-Vogelschutzrichtlinie (VS-RL) geknüpft werden. Jeder Mitgliedstaat schlägt nach den Vorgaben dieser Richtlinien Gebiete vor die für zahlreiche bedrohte Lebensräume und Arten wichtig sind. Mit NATURA 2000 will die EU einen günstigen Erhaltungszustand der natürlichen Lebensräume und der wildlebenden Tier- und Pflanzenarten bewahren oder wiederherstellen.
Das Herrenseegebiet ist auf der Liste der FFH-Gebiete, weil hier eine extrem seltene Schmetterlingsart einen Rückzugsort gefunden hat. Der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling ist hier zu Hause. Leider haben wir kein Exemplar gesehen. Die Larve schlüpfen erst Ende Juni.

Dass dieses Gebiet zum Schutzgebiet wird, heißt jedoch nicht, dass hier gar nicht mehr gewirtschaftet werden darf. Im Gegenteil: Nur weil hier jedes Jahr gemäht wird, kann dieser seltene Schmetterling hier sein Futter finden. Ohne zutun des Menschen würden hier erst Wildwiesen mit Sträuchern und dann Wald entstehen.

Hier finden Sie mehr Informationen zu FFH-Gebieten in Fischbachtal

Was viele auch noch nicht wissen:
Hochwasserschutz
Der Wasserverband Gersprenz, der für unsere Gemeinde den Unterlauf des Fischbaches ab Billings pflegt, plant für die Jahre nach 2006 dort an der Straße nach Meßbach, eine Einrichtung zu bauen, die Niedernhausen vor Hochwasser bewahren soll. Ähnliches ist bereits an der Gersprenz oberhalb von Groß-Bieberau entstanden.
Um Hochwasser zurückzuhalten, wird ein Damm erreichtet mit einem Durchlass, der grade so groß ist, dass nur so viel Wasser hindurch kann, wie durch Niedernhausen abfließen kann ohne Schaden anzurichten.
Falls nach einem Starkregen mehr Wasser den Fischbach runter will, wird es an diesem Damm aufgehalten. Der Damm wird höchstens 2 m hoch. Der Raum rechts und links des Fischbaches oberhalb des Dammes füllt sich mit Wasser.
Wenn es rechtzeitig zu regnen aufhört, fließt das Wasser kontrolliert durch die Dammöffnung – den Durchlass – ab.
Wenn es aber immer weiter regnet, wird irgendwann die Dammkrone an eine vorher bestimmten Stelle überflutet und in Niedernhausen gibt’s Hochwasser.
Das heißt, dieses Bauwerk schützt nicht absolut vor Hochwasser – das kann niemand!
Aber es schützt vor den vielen kleineren Hochwässern, die den Anliegern immer wieder Sorgen und Nöte bereiten.
Der Raum, in dem das Wasser sich bei Starkregen aufstaut, heißt Retentionsraum. Dieser Retentionsraum wird so aussehen, wie diese Wiesen hier: Viele Pflanzen und Tierarten leben gemeinsam und von einander. Nur ganz selten – vielleicht alle 5 Jahre – wird hier für einen Tag oder eine Woche Wasser stehen. Die Landwirte können und sollen die Flächen weiterhin nutzen.
Einige Tier oder Pflanzen werden das nicht überleben. Aber langfristig werden hier solche Arten siedeln, die solche kurzzeitigen Überflutungen überleben.

Veröffentlicht am Samstag, 12. Juni 2004