Die Leiden im 30-jährigen Krieg

Im Jahre 1618 brach ein Krieg aus, der 30 Jahre dauerte und über unsere Heimat und ihre Bewohner das Schlimmste brachte, was je über sie gekommen war.

Davor waren die Entwicklung der wirtschaftlichen und kulturellen Verhältnisse unseres Landes beim Beginn der Neuzeit so weit vorangeschritten, daß seine Menschen glücklich und zufrieden leben und arbeiten konnten.
Es herrschte ein gewisser Wohlstand, der auch bereits seine Auswüchse zeigte. So wird in einem Bericht über eine Pfarrerkonferenz aus dem Jahre 1562 geklagt: "Wir können auch von Amptswegen nicht underlassen zu melden, die große Ueppigkeit und Geillheit und unzuechtiges Gelache des jungen Volcks, Knechten und Megden, so sie in den spinnstuben und anderswo treiben. - Auch auf den Kirchweihen, da das Volck zusammen kompt, alle Wirtsheusser voll sindt, jederman schwelget und seuffet, biss endlich, wen sie voll und tholl sind, ein hawen und stechen darauss wird."
Auch der Groß-Bieberauer Pfarrer Johann Daniel Minck, der durch seine Chronik berühmt geworden ist, klagte über die Prunk- und Vergnügungssucht seiner Pfarrkinder. Den Bauern sei die altherkömmliche leinene Kleidung, nicht mehr gut genug gewesen.

Doch die Freude an dem erreichten Wohlstand und Glück sollte nicht lange anhalten. Im Jahre 1618 brach ein Krieg aus, der 30 Jahre dauerte und über unsere Heimat und ihre Bewohner das Schlimmste brachte, was je über sie gekommen war.

Die ersten Kriegsjahre verliefen noch glimpflich. Es gab wohl Plünderungen und Einschränkungen, doch größere Menschenverluste waren noch nicht zu beklagen. Als im Jahre 1629 in Darmstadt und im Odenwald die Pest ausbrach, kam die Wende. Landgraf Georg 11 (1626 - 1661) flüchtete mit seinem Gefolge und seiner Regierungskanzlei nach Schloß Lichtenberg.
Nach der Niederlage der Schweden bei Nördlingen zogen sich die geschlagenen Truppen, verfolgt von den Kaiserlichen, durch den Odenwald zurück. Das brachte 1634 und 1635 für unsere Gegend den Höhepunkt des Elends. Die Bewohner der umliegenden Dörfer flohen ebenfalls nach Lichtenberg oder suchten ein Versteck im Wald.

Pfarrer Minck schildert in seiner Chronik: „Viele verkrochen und versteckten sich zwar in Wäldern, Hölen, Klüppen usw. waren aber ausgespehet, denn die Soldaten hatten bey sich menschenspührige Hunde, welche wan sie an mensch und vieh kahmen, mitt ihrem bellen die leutte verrichten, und den räuber anzeig gaben.
Darum flohe alless auff die schlösser, da lagen alle gasse, Höffe und Winckel voller leutte, besonders zu Lichtenbergk, welches ein klein behelff, und derhalben auch vielle im regen, schnee und Kälte under dem freyhen himmel lagen, theyls lagen in fässern und büdden, die stubben waren winters Zeitt so voll, dass wegen der menge keines sitzen, sondern dücht ineinand stehen mussten war ein gross Jammer und Elend anzusehen, zu geschweigen, selbsten mitt darin begriffen sein."


Zu den geschilderten Leiden kam noch der Hunger, der furchtbare Ausmaße annahm und große Opfer forderte. Was der Hunger übrig gelassen hatte, raffte die Pest dahin.

Die Mincksche Chronik berichtet weiter: "Da starb manch Mensch uffm land, da niemand von seinem Tod wass wußte, darumb plieben sehr viele und viel lange Zeitt onbegraben liegen, dass sie gantz zermürbet und vol-, ler würme waren, ess lagen offt Kranke bey den Toden in einem bette . . ." Viele Orte standen vollkommen leer. In anderen sank die Einwohnerzahl auf weniger als 10 %.

Der "Westfälische Friede" wurde zwar 1648 geschlossen, doch es dauerte noch zwei Jahre bis die fremden Truppen abgezogen waren und die Menschen sich halbwegs im Frieden fühlten. Pfarrer Minck berichtet uns in seiner Chronik, dass hier im Fischbachtal erst am 28. Juli 1650 das "Buß- und Dankfest mit singen und predigen in großer Freude gehalten wurde".

(Quelle: Dr. Georg Spalt: Die Gemeinde Fischbachtal und ihre Ortsteile; 1972)

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