Felsen im Fischbachtal - fotografiert von Bernd Scheider

Eine Räuberbande im oberen Fischbachtal

Kaum waren die schlimmen Spuren des 30-jährigen Krieges verwischt, als sich neue Kriegsschrecken anzeigten. Die französischen Raubkriege Ludwigs XIV (1672 - 1678) machten unsere Gegend unsicher.

Dann kamen der spanische Erbfolgekrieg (1701 - 1714), der polnische Erbfolgekrieg (1733 - 1738), der österreichische Erbfolgekrieg (1740 - 1748), die sämtlich ihre Schatten auf unsere Gegend warfen. Bald nach der französischen Revolution (1789) begannen die sogenannten Koalitionskriege, die von 1792 bis 1816 dauerten und unsere Gegend ebenfalls in Mitleidenschaft zogen.

Die ewigen Kriege, besonders die politischen Wirren nach der französischen Revolution, wo die staatliche Ordnung zu wünschen übrig ließ, wo Not und Armut herrschten, haben das Räuber- und Bandenunwesen sehr gefördert. In diese Zeit fällt auch die Episode des Räuberhauptmanns Schinderhannes (Johannes Bückler), der nur gelegentlich seine Raubzüge in den Odenwald ausdehnte.

Nach seinem Vorbild haben sich auch hier in unserer engeren Heimat Räuberbanden gebildet. Im Wald zwischen Billings und Nonrod, in der Nähe des "spitzen Steins" hatte sich eine Bande eine Höhle als Unterkunft ausgebaut und sich häuslich eingerichtet. Selbst der Ofen fehlte nicht. Von hier aus unternahmen die Räuber ihre Streifzüge in die nähere und weitere Umgebung.

Am 27.4.1802 wurden z.B. Pfarrhaus und Kirche in Neunkirchen geplündert. Dabei wurden der Pfarrer, seine Frau und deren beiden Schwestern schwer misshandelt. Die Räuber hatten die Kirchentür besetzt und die Glockenstränge abgeschnitten, damit nicht "Sturm geläutet" werden konnte. Allen Leuten, die zu Hilfe kommen wollten, wurde mit Totschlag gedroht. Nachdem die Banditen ihre Beute (Geld, Schmuck, den goldenen Kelch in der Kirche und andere ,Wertgegenstände) in Sicherheit hatten, zogen sie wieder ab.

Als sie eines Tages die Bewohner des Schlosses Lichtenberg (Beamte des damaligen Landgerichts) heimsuchten, und dort die Wäsche stahlen, ging man ihnen zu Leibe. Auf Ersuchen der Herrn des Gerichts wurde aus Darmstadt ein Trupp Soldaten in das Fischbachtal beordert, der das Diebesnest ausfindig machte und ausräucherte. Die Mitglieder der Bande, denen man Morde nachweisen könnte, wurden in Darmstadt enthauptet, die übrigen erhielten längere Freiheitsstrafen.

Die Höhle wird heute noch im Volksmund nach dem Bandenführer Latz "der Latzekeller" genannt. Später ist sie beseitigt und zugeschüttet worden.

(Quelle: Dr. Georg Spalt: Die Gemeinde Fischbachtal und ihre Ortsteile; 1972)

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