Heuneburg

Keltischer Ringwall

Die "Heuneburg" als keltischer Ringwall entstand in der jüngeren Eisenzeit (500 bis 50 v. Chr.)

Die Kelten waren tüchtige Ackerbauern und Viehzüchter sowie ausgezeichnete Schmiede, die es verstanden, gute Geräte und Waffen herzustellen. Damit waren sie ihren Gegnern weit überlegen. In der jüngeren Eisenzeit (500 bis 50 vor Chr.), die man nach dem ersten Fundort, La-Tène am Neuenburger See in der Schweiz, als "La-Tène-Zeit" bezeichnet, wird auch die keltische Kulturperiode genannt. In diese Zeit fällt die Entstehung des Ringwalles bei Lichtenberg, der die "Heuneburg" genannt wird. Sie befindet sich am südlichen Ende des Höhenrückens, auf dem Lichtenberg und sein Schloss liegen. Die älteste Nachricht über den Ringwall stammt aus dem Salbuch (Urkundenbuch) des Amtes Lichtenberg von 1589 (Staatsarchiv Darmstadt), wo es heißt: "Die Quirnburg stoßt uff die alt schewern und den burgwallt."

Der Walddistrikt hinter der "Heuneburg" heißt im Volksmund die "Kirnbach", während sie in den Flurkarten mit "Kernbach" bezeichnet wird. Das Wort "kirn" (mittelhochdeutsch: „kürn“) bedeutet Mühle. Im Althochdeutschen heißt sie "quirn". Kernbach war demnach Mühlbach, eine Siedlung an der Mühle.

Eine Beschreibung der Anlage wurde 1842 von Johann Friedrich Knapp (gestorben 20.5.1848 zu Darmstadt) gegeben, der sich um die Erforschung der Altertümer des Odenwaldes sehr verdient gemacht hat. Er hat jedoch den Ringwall nicht als Festungswerk erkannt, sondern für die Einfriedigung einer germanischen Thingstätte oder Kultstätte gehalten. Die erste eingehende Untersuchung nahm Eduard Anthes vor, durch die der Festungscharakter aufgeklärt wurde. Gleichzeitig fand eine Aufnahme im Maßstab 1 : 1 000 durch Leonhard Kraft, Darmstadt, statt. Sechs Jahre später nahm der damalige starkenburgische Altertums- und Denkmalspfleger Prof. Friedrich Behn weitere Ausgrabungen vor, bei denen sogar die älteren Schulklassen der Nachbarorte unter Führung ihrer Lehrer mitgewirkt haben. Auch Leonhard Kraft hatte erneut teilgenommen und die endgültigen Pläne erstellt.

Die innere Befestigungslinie (a), die sich in Ovalform von etwa 180 m zu 120 m Achsenlänge der Bergkuppe anpasst, ist der eigentliche Ringwall. Heute sieht der innere Ring wie ein steil geböschter Erdwall aus. Die Ausgrabungen haben jedoch gezeigt, dass eine 3 m bis 3,50 m starke Steinmauer aus Granit vorhanden war. Diese Mauer bildete die Füllung eines Gerüstes aus senkrecht stehenden Balken, die wieder mit Querbalken verbunden waren. Julius Caesar hat eine solche Mauer beschrieben und als "gallische Mauer" bezeichnet. Bei den Grabungen hat man in den Steinmauern noch die Schlitze für die senkrechten Balken festgestellt.

Die zweite Stellung (b) hat zur Verstärkung der ersten gedient. Sie ist auf der Westseite offen, weil hier das Gelände steil abfällt. Zwischen beiden befand sich ein etwa 1 m tiefer Spitzgraben.

Der Ringwall hatte nur ein einziges Tor auf der Ostseite. Die übrigen Wege, die in der Zeichnung zu sehen sind, sind neueren Datums.

Die Ringwälle wurden als Schutzburgen gegen die Germanen errichtet, die ihren Druck aus dem Norden ständig verstärkten. Auf die Dauer konnten die Kelten diesem Druck nicht standhalten. Sie hatten ihre Kräfte durch ihre weitreichenden Unternehmungen so stark zersplittert, dass sie schließlieb vor dem Ansturm der Germanen mehr und mehr zurückweichen mussten. Diese haben schließlich die Ringwälle selbst übernommen, die wahrscheinlich später von den Römern geschleift wurden.

Bis in das 19. Jahrhundert hinein wurde im Gelände um den Ringwall alljährlich an Himmelfahrt ein Frühlingsfest gefeiert. Später hat man es, wohl mit Rücksicht darauf, dass der Bezirk mit Jungholz bestanden war, an den Waldrand vor Lichtenberg verlegt.

(Quelle: Dr. Georg Spalt: Die Gemeinde Fischbachtal und ihre Ortsteile; 1972)

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