Burgfreiheit Lichtenberg

Stadt Lichtenberg?

Da Lichtenberg Jahrhunderte hindurch der Sitz des gleichnamigen Amtes war, war es Verwaltungsmittelpunkt und Hauptort des nordwestlichen Odenwaldes. Zweimal erhielt der kleine Ort in seiner bedeutenden Geschichte die Stadtrechte verliehen, und zwar durch Kaiser Heinrich VII., der dem Grafen Diether von Katzenelnbogen für "Burg Lichtenberg mit Tal und dem Dorf Bieberau die Freiheit der Stadt Oppenheim" verlieh. (Wenk 1 Urk. S. 80).

Im Jahre 1360 verleiht Kaiser Karl IV. dem Grafen von Katzenelnbogen für "Burg Lichtenberg und Tal" die Freiheiten der Stadt Lindenfels. Die Burg Lichtenberg muß bereits im Jahre 1228 bestanden haben, denn in jenem Jahr nennt sich ein Diether von Katzenelnbogen comes (Graf) de Lichtenberg.

Die Grafen von Katzenelnbogen waren nach der Auflösung des Oberrheingaues Vögte des Klosters Lorsch. Doch die einst so reiche Abtei war später in Schwierigkeiten geraten, so daß ihre Selbständigkeit um das Jahr 1200 bedroht war. Sie hatte schon Besitz verpfändet. Sowohl die Kurpfalz als auch das Erzbistum Mainz suchten ihre Territorien auf Kosten des Klosters auszudehnen. ("900 Jahre Starkenburg", Veröffentlichungen zu der Geschichte der Stadt Heppenheim, Bd 2, 1965). In dieser Lage übertrug Papst Gregor IX am 6.8.1231 dem Erzbischof von Mainz die volle Verwaltung der Abtei (Scriba, IV/1, S.3). Ein Jahr später (1232) ging sogar diese selbst mit allen Rechten, Gütern und Gefällen an Mainz über (Scriba, 1532). Welche Rechte und Besitzungen sich die Pfalzgrafen bereits gesichert hatten, konnte nicht belegt werden.
Ebenso konnte bis etzt noch nicht nachgewiesen werden, wie Lichtenberg unter die Lehensherrschaft der Pfalzgrafen kam. Im Jahre 1295 gibt Pfalzgraf Rudolf dem Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen die Erlaubnis, seiner Ehefrau die Burg Lichtenberg als Morgengabe zu bestellen. (Wenk 1 Urk. S. 63). Die Burg Lichtenberg stand wie alle mittelalterlichen Burgen unter dem erhöhten strafrechtlichen Schutz des "Burgfriedens". Um die Burg war ein bestimmtes Gebiet abgegrenzt, das gebannt oder gefreit, d.h. besonders geschützt war. Hier wurde die Störung der Ordnung durch Gewalttätigkeit als "Burgfriedensbruch" angesehen, der sehr streng bestraft wurde. Lichtenberg besaß ein eigenes Burgfriedensgericht. Die innerhalb des Brugfriedens wohnenden Menschen hatten auch besondere Freiheiten. Sie waren von der Leibeigenschaft und von Frondienst befreit. Da ein Teil des unter Lichtenberg liegenden Dorfes Hausen in den Bereich des Burgfriedens fiel, wurde dieser Teil (Obernhausen) abgetrennt und mit Lichtenberg vereinigt. So kommt es, daß Obernhausen bis 1971 ein Bestandteil der Gemeinde Lichtenberg blieb.

Valentin Wagner - Lichtenberg. (Zum Vergrößern anklicken)

Lichtenberg war nicht nur Amts- und Verwaltungssitz, sondern durch seine Burg und sein Schloß auch herrschaftliche oder gar fürstliche Residenz mit höfischem Leben. Es wird uns berichtet, daß sogar berühmte Minnesänger wie Walther von der Vogelweide und Wolfram vom Eschenbach einst gelegentlich als Gäste auf der Burg weilten und deren Bewohner mit ihren Liedern erfreuten.

Am 10.7.1323 gibt Adolph Pfalzgraf vom Rhein und Herzog in Bayern dem Grafen Diether von Catzenelnbogen Erlaubnis, die Burg Lichtenberg und die Hälfte der Grafschaft Catzenelnbogen, welche der Graf von ihm zu Lehen trägt, seiner Gemahlin Katharina zur Ausstattung zu geben. "Am 25. Januar 1355 verzichtet die Raugräfin Katharina die alte zu Gunsten des Grafen Wilhelm von Katzenelnbogen auf ihr Witthum, das Schloß Lichtenberg und das Dorf Bybera, welches ihr ihr verstorbener Gemahl, der Graf Dyether von Katzenelnbogen, bestellt hatte." Eine weitere Urkunde, die Lichtenberg betrifft: "Am 12.2.1398 belehnt Pfalzgraf Ruprecht den Grafen Eberhard von Katzenelnbogen mit Burg und Städtchen Lichtenberg nebst Dörfern Biberaw und Husen..."

Nach dem Übergang der Obergrafschaft Katzenelnbogen an die Landgrafen von Hessen stand Lichtenberg auch in der Gunst der Landgrafen von Hessen-Darmstadt. Georg I. war bei seinem Regierungsantritt 1567 noch ledig und wollte erst heiraten, wenn er für seine künftige Gemahlin einen geeigneten Witwensitz geschaffen hatte. Dafür hatte er Lichtenberg ausersehen und dort sofort mit der Erbauung eines neuen Schlosses begonnen, das nach zehnjähriger Bauzeit fertiggestellt war. Im Jahre 1577 wurde eine Wasserleitung von Lützelbach nach dem Schloß gebaut, weil der Schloßbrunnen angeblich kein gutes Wasser liefere.

Lichtenberg hat sich seit dem 1. Weltkrieg zu einem bedeutenden Luftkurort und einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Große Verdienste an seinem Aufblühen hat sich der frühere Bürgermeister und Gastronom Georg Schellhaas erworben.

Postkarte: Schloß Lichtenberg im Odenw. und Kurhäuser

Schloß Lichtenberg im Odenw. und Kurhäuser "Zur schönen Aussicht"

 

(Text: Dr. Georg Spalt: Die Gemeinde Fischbachtal und Ihre Ortsteile, 1972)

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